Anleitung | Pilzzucht auf Baumstämmen & Holz

Worum geht es in dieser Anleitung?

In dieser Anleitung zeigen wir Dir, wie Du eigene Pilze mit Pilzdübeln auf Holzstämmen im Garten selbst anbauen und züchten kannst. Hier geht es speziell um die Outdoor-Pilzzucht auf ganzen Baumstämmen und Stubben im Garten.

Wenn Du Dich für die Indoor-Pilzzucht mit eigenen Substratmischungen interessierst, findest Du hier unsere Anleitung zur Herstellung Deines eigenen Pilzsubstrats.

Folgende Themen findest Du in diesem Artikel

Dieses Material benötigst Du für die Pilzzucht auf Baumstämmen

Viel Equipment braucht es nicht, um Pilze auf Stroh selbst anzubauen. Das meiste wird in einem Haushalt mit Garten bereits vorhanden sein.

25 Pilzdübel reichen für 1 – 2 Baumstämme

(50 cm lang, Ø max. 30 cm)

Das richtige Holz für die Pilzzucht

Bei der Pilzzucht auf Baumstämmen beginnt alles mit der Wahl des richtigen Holzes. Grundsätzlich sind die meisten Laubhölzer wie Buche, Eiche, Birke sowie viele Obstbaumarten geeignet.

Nadelholz ist nicht für die Pilzzucht geeignet!

Der Holzstamm sollten frisch geschlagen und ca. 4 – 6 Wochen abgelagert werden, darf aber höchstens 4 Monate alt sein. Älteres Holz ist meistens schon mit Schimmel und weiteren Konkurrenzpilzen besiedelt und daher für die gezielte Pilzzucht auf Holz unbrauchbar.

Frischs Holz enthält noch, je nach Holzsorte mehr oder weniger, pflanzliche Abwehrstoffe gegen Pilze, welche sich erst bei der Lagerung abbauen.

Als Schutz vor Austrocknung sollte die Rinde weitestgehend unbeschädigt sein.

Ein Stammdurchmesser von 10 – 30 cm ist optimal (Ausnahme: Shiitake und Leuchtpilz: 15 – 20 cm).

Um eine optimale Holzfeuchtigkeit zu erreichen, lässt Du das Holz vor dem Beimpfen für 1 bis 2 Tage wässern. Dazu muss der Baumstamm vollständig mit Wasser bedeckt sein. Am besten gelingt dies, wenn Du das Holz in eine Wanne oder Fass legst und mit Steinen beschwerst.

Pilz-Tipp

Baumstümpfe und Stubben (Laubholz), welche noch im Boden vergraben sind, lassen sich ebenfalls für die Pilzzucht nutzen. Da die Bäume nach dem Fällen meist noch “leben” sollte hier eine schnellwachsende und resistente Pilzsorte wie der Austernpilz angesiedelt werden.

Der richtige Zeitpunkt für die Pilzzucht auf Baumstämmen

Der beste Zeitpunkt, um mit der Pilzzucht auf Baumstämmen zu beginnen ist das Frühjahr nach den letzten Frösten. Mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen steigt auch die Temperatur und das Speisepilzmyzel fängt an zu wachsen. Erst ab 10 °C nimmt das Myzelwachstum langsam Fahrt auf. Im Freien solltest Du die Pilzzucht auf Baumstämmen bis spätestens September anlegen, damit sie den Winter gut übersteht.

Frisch bestückte Holzstämme sind nicht winterhart und benötigen einen frostfreien Lagerplatz.

Pilz-Tipp

In einer frostfreien Garage oder im Keller kannst Du die Baumstämme bereits im Winter vorbereiten, mit Pilzdübeln impfen und im Frühjahr direkt auspflanzen. Die erste Pilzernte wächst dann früher, evtl. noch im gleichen Jahr heran.

Tipps & Tricks für die Pflege Deiner Pilzzucht auf Baumstämmen

Halte den Holzstamm feucht und vermeide Temperaturen über 30 °C.

Optimale ist eine Temperatur von 12 – 20 °C.

Je nach Temperatur und Pilzdübelanzahl dauert es etwa 6 bis 12 Monate, bis das Holz ausreichend durch das Pilzmyzel kolonisiert ist. In dieser Zeit ist eine gute Belüftung und hohe Feuchtigkeit des Baumstamms besonders wichtig, da das Holz sonst zu stark schimmelt oder austrocknet. Die Pilzzucht auf Baumstämmen solltest Du lieber etwas feuchter als zu trocken pflegen.

Leichter Schimmelbefall (Stockflecken), häufig an den Schnittkanten, ist aber kein Problem. Der Schimmelpilz wächst nur oberflächlich und dringt nicht tiefer in den Baumstamm ein. Dies ist daher grundsätzlich kein Problem bei der Pilzzucht auf Holz.

Diese Holzarten sind für die Pilzzucht geeignet

Holz ist nicht gleich Holz. Jede Baumart hat ihre Eigenheiten. Vorrangig unterscheiden sich die Holzarten in ihrer Härte und der Aufteilung in Splint- und Kernholz.

Buche und Eiche sind harte Hölzer während Birke ein sehr weiches Holz ist.

Grundsätzlich bringen harte Hölzer länger einen Ertrag hervor, allerdings dauert es auch länger, bis die ersten Pilze wachsen.

Auf  weichen Hölzern wachsen die Pilze früher, jedoch ist das Holz auch früher erschöpft und zerfällt.

Austernpilz Shii-Take Kräuterseitling Löwenmähne Zitronenpilz
Buche X X - X X
Eiche X X - X -
Birke X X - X X
Weide X - - - X
Esche X - - - X
Pappel X - - - X
Ahorn X X - - X
Esskastanie X X - - -
Obsthölzer
(Apfel, Kirsche, Pflaume)
X X - X -
Austern-pilz Shii-Take Kräuter-seitling Löwen-mähne Zitronen-pilz
Buche X X - X X
Eiche X X - X -
Birke X X - X X
Weide X - - - X
Esche X - - - X
Pappel X - - - X
Ahorn X X - - X
Esskastanie X X - - -
Obsthölzer
(Apfel, Kirsche, Pflaume)
X X - X -

Diese Liste gibt einen ersten Überblick über die gebräuchlichsten Holzarten bei der Pilzzucht.

Der Austernpilz stellt nur wenige Anforderungen und wächst praktisch auf jeder Laubholzart, auch wenn diese nicht in der Liste aufgeführt ist.

Pilz-Tipp

Für je 10 cm Durchmesser des Holzstamms lässt sich mit ca. einem Jahr Ertrag rechnen (Hartholz). Mehr als 60 cm Durchmesser werden allerdings nur sehr langsam durch das Pilzmyzel durchwachsen.

Anleitung | Pilze auf Baumstämmen züchten

Anleitung | Pilzzucht auf Baumstämmen & Holz 1

#1 Baumstamm circa 24 Stunden wässern

Der Baumstamm sollte frisch abgelagert, gesund und die Rinde weitgehend unbeschädigt sein. Kleine Macken sind kein Problem. Altes bzw. zu feucht gelagertes Holz erkennst Du an einem modrigen Geruch und Stockflecken. Für die Pilzzucht auf Holz ist dieses nicht mehr geeignet. Nimm den Stamm und tauche ihn in einem Fass vollständig unter Wasser. Beschwere den Stamm mit einem Stein, damit er unter Wasser bleibt und nicht zu schwimmen beginnt. Lass das Holz für etwa 24 – 48 Stunden wässern.

Anleitung | Pilzzucht auf Baumstämmen & Holz 2

#2 Löcher ins Holz bohren

Nach dem Wässern kannst Du direkt die Löcher in den Stamm bohren. Nimm einen Holzbohrer mit Ø 9 mm (zur Not auch 8 mm). Bohr die Löcher wie im folgenden Schema dargestellt, ringsum in das Holz. Je gleichmäßiger Du diese verteilst, desto besser durchwächst der Stamm. Plane auch Dübel für die Schnittflächen ein! Achte darauf die Löcher langsam einzubohren, da der Bohrer sonst zu heiß wird, das Holz verkohlt und so für den Pilz undurchdringbar versiegelt wird.

Anleitung | Pilzzucht auf Baumstämmen & Holz 3

#3 Löcher mit Pilzdübeln bestücken

Nimm die Packung Pilzdübel (Impfdübel) und zerdrück den Inhalt, bis sich die Dübel wieder vereinzeln. Öffne die Packung und steck die Dübel in die erste Reihe mit Löchern. Schlag die Dübel vorsichtig ein. Sollten sich diese nicht vollständig im Holz versenken lassen, sind die vorgebohrten Löcher nicht tief genug und Du solltest die Löcher nachbohren.

Anleitung | Pilzzucht auf Baumstämmen & Holz 4

#4 Baummstamm durchwachsen lassen

Je nach Vorliebe kannst Du die Impflöcher nun mit Wachs verschließen, mit Klebeband umwickeln oder den gesamten Stamm in Folie einschlagen. Achte darauf, dass der Holzstamm feucht bleibt und Frischluft bekommt. Wenn Du den Stamm in Folie einschlägst, ritze mit einem Messer oder Nagel ca. 50 Löcher in die Folie. Je nach Pilzsorte dauert es bis zu 8 Monate, bis der Stamm ausreichend durchwachsen ist. Frisch bestückte Stämme sind frostempfindlich.

Pilzzucht auf Baumstämmen Anleitung PilzWald

#5 Stamm aufstellen & eingraben

Kommt an mehreren Stellen auf der Rinde das weiße Myzel zum Vorschein, ist das Pilzholz bereit um aufgestellt zu werden. Der ideale Platz ist schattig, feucht & windgeschützt. Entferne die Folie vom Baumstamm und grab ihn zu einem Drittel in die Erde ein. Anhaftende Wachsreste können auf dem Stamm bleiben. Alternativ kannst Du den Holzstamm auch in einen Topf mit Erde einsetzen. So bleibt dieser mobil, Du kannst verschiedene Plätze testen und wärmeliebende Sorten (Rosenseitling) frostfrei überwintern. Jeder Pilzstamm bildet 2 – 8 Jahre lange immer wieder frische Pilze (je nach Holzsorte und Stammdurchmesser).

Pilz-Tipp

Beim Start der Pilzzucht auf Holz im Frühjahr nach den letzten Frösten, kannst Du die Stämme direkt in den Boden eingraben, im Garten aufstellen und pflegen.

Anleitung | Pilzzucht auf Baumstämmen & Holz 5

#6 Pflege der Pilzzucht auf Holz

Die Pflege ist nicht besonders aufwändig. Ist der Platz gut gewählt, kannst Du den Pilzzucht Baumstamm sich selbst überlassen. Die Pilze wachsen von alleine heran – Pilze ernten nicht vergessen! An trockeneren Standorten und in starken Hitzeperioden im Sommer, solltest Du die Pilzzucht auf Holz regelmäßig wie Deine Pflanzen auch gießen, um ein Austrocknen zu verhindern. Der Pilzstamm sollte sich an den Schnittflächen immer etwas feucht anfühlen. Beachte hierzu auch den Tipp weiter unten.

Anleitung | Pilzzucht auf Baumstämmen & Holz 6

#7 Frische Pilze ernten & genießen

Sobald die Pilze mit dem Wachstum beginnen, vervielfältigt sich ihre Größe praktisch über Nacht. Die Pilze kannst Du in jeder Größe ernten. Das volle Aroma erreichen sie kurz bevor sie ihre Sporen freisetzen. Meistens wölbt sich dazu der Hutrand leicht nach oben und beginnt sich ins bräunliche zu verdunkeln. Schneid die Pilze mit einem scharfen Messer vom Stamm und entferne auch alle Überreste am Holz. Fertig! Viele Pilzsorten wachsen mehrmals pro Jahr zu frischen Pilzen heran. Die Pilzzucht auf Baumstämmen wird jetzt mehrere Jahre immer wieder frische Pilze bilden.

Moospolster als Schutz & Gießindikator

Das Moos auf der Schnittfläche schützt den Holzstamm vor Austrocknung, dient als Gießindikator und sorgt für einen individuellen Look in Deinem Garten. Fühlt es sich trocken an, solltest Du die Pilzzucht auf Holz wässern. Wenn Du kein geeignetes Moospolster zur Hand hast, kannst Du in die obere Schnittfläche auch mehrere Löcher einbohren (Ø 10 – 20 mm). Dadurch sammelt sich Regen-und Gießwasser und das Holz bleibt länger feucht.

Pilz-Tipp

Steck eine aufgeschnittene PET Flasche als Trichter in das eingebohrte Loch. So kann sich das Regen- und Gießwasser sammeln und über einen längeren Zeitraum, gleichmäßig in den Stamm einsickern.

Kurz & Knapp - Vorteile der Pilzzucht auf Baumstämmen

Die Pilzzucht auf Baumstämmen gehört zu den klassischen Methoden im Pilzanbau und zeichnet sich durch die besonders natürliche Kultur der Pilze aus.

  • Natürlichste Art der Pilzzucht
  • Wenig Pflegeaufwand
  • Bis zu 6 Jahre von einer Kultur ernten
  • Wenig Equipment nötig
  • Für Schattenplätze ideal geeignet

 

Die Methode ist für fast alle Kulturpilze geeignet. An feuchten Plätzen angelegt, benötigen die Stämme nur wenig Pflege. Eingegraben im Boden, versorgt sich das Myzel auch Hitzeperioden weitgehend selbst mit dem nötigen Wasser. Wer etwas Geduld mitbringt, wird mit zahlreichen Pilzernten über mehrere Jahre hinweg belohnt. Ungenutzte, schattige und feuchte Plätze im Garten sind ideal für die Pilzzucht auf Baumstämmen geeignet. Solche Stellen finden sich praktisch in jedem Garten. Daher ist die Pilzzucht auf Holz eine ideale Ergänzung und steht nicht in Konkurrenz mit Pflanzen.

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18 Antworten

  1. Hallo Alex !!
    Ich würde gerne den Stumpf eines gefällten Kirschbaums in meinem Garten mit Austernpilzen bedübeln…
    Baum vor etwa 4 Wochen gefällt , der Stumpf steckt noch verwurzelt in der Erde , lebt also noch .

    Geht das , oder wird der Pilz durch Gerbsäure oder anderes am Wachstum gehindert . Liebe Grüße !! Uwe

    1. Hallo Uwe,

      grundsätzlich ist dies kein Problem. Es hängt natürlich stark davon ab, wie “lebendig” der Stumpf noch ist und ob er sich gegen das Pilzmyzel noch wehren kann.

      Wenn es klappt, dann mit dem Austernpilz.

      Viele Grüße,
      Alex

  2. Hallo Alex,
    ich habe für einen Baumstamm Länge 50 cm und Durchmesser
    25 cm 10 Impfdübel zur Verfügung. Es wird empfohlen, auch die Schnittflächen zu impfen. Welche Verteilung auf den Stamm
    wäre anzuwenden ?

    1. Hallo Dietmar,

      es braucht kein spezielles Muster für den Holzstamm. Platziere die Dübel einfach möglichst gleichmäßig rundherum im Holz. Ein Dübel für die Strinfläche sollte reichen.

      Je mehr Dübel Du verwendest, desto schneller/stärker durchwächst der Stamm.

      Viele Grüße,
      Alex

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