Das perfekte Pilzzucht Substrat herstellen – Pilzsubstrat Rezepte, Tipps & Tricks

Einleitung | Worum geht es in dieser Anleitung?

Eigenes Pilzzucht Substrat herzustellen gehört zur Königsdisziplin bei der Pilzzucht in Haus und Garten. Praktisch jeder Pilzzüchter hat seine eigenen Rezepte, Techniken und Schritte für das eigene Substrat.

In Online-Foren und Facebook Gruppen wird nichts so kontrovers und teils hitzig diskutiert, wie die „perfekten“ Substratrezepte.

In dieser Anleitung stellen wir Dir einige praxisbewährte Rezepte und die Handhabung mit ihnen vor. Dazu geben wir Dir Tipps und Tricks, wie Du Dein perfektes Substrat selbst zusammenstellst und erläutern Vor- und Nachteile einiger Rohstoffe und Supplements.

Mehr Infos zur allgemeinen Pilzzucht findest Du auch in unserem Ultimativen Pilzzucht-Tutorial.

Überblick | Diese Themen findest Du in diesem Tutorial

Gleich vorweg: Es gibt nicht das eine perfekte Pilzsubstrat!

Jede Pilzsorte hat andere Vorlieben beim Substrat und auch die Verfügbarkeit der Rohstoffe, der Preis oder die Impftechniken spielen eine entscheidende Rolle bei der finalen Zusammensetzung.

Letztlich kommt es also auf viele, sehr individuelle Faktoren an, die Dein Pilzsubstratrezept beeinflussen können.

Aber welche Rohstoffe sind grundsätzlich für die Pilzzucht geeignet? Was sollte man benutzen und was besser nicht? Wie sollte man das Substrat mischen? Was bevorzugen Speisepilze als Nahrung?

Dies sind nur einige der Fragen, die bei der Formulierung eines Pilzzucht Substrat Rezeptes eine zentrale Rolle spielen.

Und genau diese Fragen möchten wir in diesem Tutorial klären und näher erläutern.

Natürlich ist auch dieses Tutorial nicht der Weisheit letzter Schluss. Du hast ein tolles Substratrezept? Dann schreib uns dies in die Kommentare, wir freuen uns immer über neue Rezepte und Denkanstöße!

Pilzsubstrat herstellen für Substratblöcke

Wenn wir davon reden, Pilzsubstrat herzustellen, meinen wir damit ein Substrat für die Pilzzucht in Beuteln, Eimern oder Gläsern. Es geht also um Pilzubstrat vorrangig für die Indoor-Pilzzucht.

Selbstverständlich können die Rezepte aber auch für andere Anbaumethoden genutzt werden.

Wenn Du hingegen die Pilze auf natürliche Art im Garten züchten möchtest, findest Du hier eine Anleitung für die Pilzzucht auf Holzstämmen, für eine Pilzkultur auf Strohballen oder den Anbau im Pilzbeet.

Exkurs: Wovon ernähren sich Pilze?

Wenn es um Pilze geht, herrscht häufig schnell Verwirrung. Pilze sind enorm vielfältig und gehören zu den ältesten Lebensformen auf dieser Erde. Aber so richtig kennen wir diese mysteriöse Lebensform bisher nicht.

Sind Pilze Pflanzen, Tiere oder doch etwas ganz anderes?

Pilze werden in der Biologie zwar klassisch in der Botanik behandelt, Pflanzen sind es damit aber dennoch nicht. Pilze sind ganz einfach Pilze! Sie sind neben Pflanzen und Tieren ein eigenes Reich in der Biologie. Pilze eben.

Diese Feinheit ist aber keine abgehobene Fachsimpelei, sondern hat ganz konkrete Auswirkung auf die Lebensweise, die Nahrungsbeschaffung der Pilze und damit auch für uns Pilzzüchter.

Photosynthese: Energie aus der Sonne

Pflanzen brauchen die Sonne zum wachsen und überleben. Neben Wasser, reichen den Pflanzen dabei einige Mineralien aus dem Boden und eben Sonnenlicht, um prächtig zu gedeihen.

Die grünen Blätter sind natürliche Solarzellen, die Sonnenlicht in Energie verwandeln können.

Was die Nahrungsbeschaffung angeht, sind Pilze und Menschen dabei gar nicht so unterschiedlich.

Wir müssen alle Nahrung in Form von organischem Material aufnehmen/essen und verdauen, um daraus die Nährstoffe für unseren Stoffwechsel zu gewinnen.

Ohne Nahrung können wir nicht wachsen oder leben.

Die meisten Pilzarten sind dabei in der Natur Recycling-Weltmeister. Sie zersetzen vorwiegend totes organisches Material wie Blätter, Laub, abgestorbene Äster und Bäume im Wald. Sie ernähren sich vorwiegend von den holzigen Bestandteilen Lignin und Zellulose.

Nicht alle Pilze ernähren sich so, gemein ist aber allen, dass sie nicht wie Pflanzen das Sonnenlicht als „Nahrung“ nutzen können sondern Nahrung aufnehmen müssen.

Es gibt zwei Arten, wie sich Pilze ernähren (Pathogene ausgenommen):

  • Die Destruenten
  • Die Symbiosepilze

Die Primärzersetzer sind Pilzarten, die das organische Material (Lignin/Zellulose) direkt als Nahrungsgrundlage nutzen können.

Diese Pilzarten wachsen direkt auf Holz, Stroh und letztlich allen papierhaltigen bzw. besser ausgedrückt zellulose- und ligninhaltigen Substraten.

Die meisten Zuchtpilze sind Primärzersetzer wie z. B.:

  • Austernpilze
  • Shiitake
  • (Kräuterseitlinge)

Die Sekundärzerstzer ernähren sich ebenfalls von totem organischem Material. Anders als die Primärzersetzer, können sie die holzigen Bestandteile (Lignin/Zellulose) aber nur sehr schlecht als Nahrung nutzen.

Die Folge: Auf Holz-/Strohsubstraten wachsen diese Pilze nicht.

Sekundärzerstzer brauchen ein mikrobiologisch aufgeschlossenes, teilzersetztes oder auch vorverdautes Substrat, welches z.B. während eines Kompostierungsvorgangs entsteht.

Gartenkompost ist damit allerdings nicht gemeint und ungeeignet.

Die bekanntesten Vertreter sind die Champignons. Diese wachsen auf einem „Champost“ bestehend aus Stroh und Dung, welches über mehrere Schritte in großen Volumina kompostiert und sterilisiert wird.

Im Hobbybereich lässt sich dies praktisch nicht realisieren.

Die meisten Speisepilze im Wald leben in einer obligat-symbiotischen Gemeinschaft mit Bäumen bzw. vielmehr deren Wurzeln.

Bekannte Vertreter sind: Steinpilze, Pfifferlinge, Maronen, Trüffel, Röhrlinge uvm.

Rund 90 % aller Landpflanzen gehen eine derartige Symbiose mit einem Pilz ein. Diese Symbiose ist für beide Partner von Vorteil. Die Pflanze erhält Nährstoffe und Wasser aus dem Boden, an die sie allein nicht herankäme.

Der Pilze erhält im Gegenzug Zucker und Fettsäureverbindungen aus der Photosynthese der Pflanze.

Ohne diese funktionierende Symbiose wachsen daher keine Pilz-(Fruchtkörper). Meistens nicht einmal das Myzel in Reinkulturen. Daher können diese Pilzarten derzeit nur in Gesellschaft zu den richtigen Bäumen/Pflanzen und Outdoor gezüchtet werden.

Übersicht | Die Grundstoffe (Rohstoffe) für Pilzsubstrate

In unserem Ultimativen Tutorial für die Pilzzucht haben wir bereits einiges zu Pilzsubstraten und den Rohstoffen geschrieben. Diese Infos möchten wir hier weiter konkretisieren und auch unsere Rezepte mit Dir teilen.
Das perfekte Pilzzucht Substrat herstellen - Pilzsubstrat Rezepte, Tipps & Tricks 1

Holzhäcksel & Sägemehl

Holzhäcksel und Sägemehl gehört zu den meist genutzten Substratbestandteilen bei Pilzzucht Substraten. Sie werden in unterschiedlichen Körnungen und Mischungsverhältnissen eingesetzt und häufig noch supplementiert, um den Ertrag zu steigern. Die Häcksel gibt es in vielen unterschiedlichen Körnungen und Packungsgrößen.

Grundsätzlich, einige Spezialisten wie z. B. den Graublättrigen Schwefelkopf (Hypholoma capnoides) ausgenommen, sind nur Häcksel und Sägemehl von Laubhölzern geeignet.

Holz wird bei vielen Hobbyisten gerne eingesetzt, wobei man hier besonders auf die Angaben auf der Verpackung achten muss.

Holz aus dem Heimtierbedarf wie z.B. Kleintierstreu, Heimtierstreu und andere Sorten können geeignet sein, sind es aber meistens nicht!

Dies liegt daran, dass diese Produkte meistens aus Nadelholz bestehen. Häufig steht auf der Verpackung etwas wie „Weichholz“. Dies ist ein gutes Indiz, das dieses Produkt vermutlich nicht für die Pilzzucht geeignet ist.

Praktisch alle forsttechnisch angebauten Nadelhölzer gehören zu den Weichhölzern.

Gute Quellen für Holz als Substrat in kleine Mengen sind:

 

Als Holzarten sind Buche und Eiche sehr gut geeignet. Generell eignen sich aber praktisch fast alle Laubhölzer.

Wichtig: Holzarten mit Giftstoffen wie z.B. Robinie sind für die Pilzzucht nicht geeignet, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Pilze diese Stoffe aufnehmen.

Pilzzucht Substrat Holzpellets Rohstoff fürs Pilze züchten

Holzpellets

Holzpellets sind ebenso wie Holzhäcksel und Sägemehl gut für ein Pilzzucht Substrat geeignet. Pellets sind ja letztlich auch nichts anderes, als gepresstes Sägemehl.

Auch bei den Pellets ist es wichtig, dass diese nur aus Laubholz bestehen. Nadelholzpellets sind wegen der enthaltenen Harze für die Pilzzucht grundsätzlich nicht geeignet.

Vorteile von Holzpellets

Durch den Druck beim Pelletierungsprozess, wird das Holz meistens stark erhitzt. So werden enthaltene Sporen/Kontaminationen stark vermindert und weitestgehend abgetötet.

Sind die Pellets dann staubsicher und trocken verpackt, bleiben diese auch kontaminationsfrei und ergeben einen guten Grundstoff für eigene Substratmischungen.

Die Pellets sind praktisch überall erhältlich und meistens in 10 – 15 kg Säcken abgepackt.

Holzpellets lassen sich so gut und platzsparend lagern.

Nachteile von Holzpellets

Ähnlich wie bei Strohpellets, ist die Qualität von entscheidender Bedeutung. Häufig werden verschiedene Holzarten gemischt. Das trifft besonders auf Pellets zum Heizen zu und wird leider nicht immer auf der Verpackung angegeben.

Es ist nicht leicht, die richtige Menge Wasser für die ideale Feuchtigkeit zu ermitteln.

Einmal aufgeqollen, kann sich das Substrat wieder sehr leicht verdichten und es entstehen schnell sauerstoffreie Zonen im Substrat.

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Strohpellets

Ich sag es gleich frei vorweg, wir sind keine Fans von Strohpellets als Pilzzucht Substrat. Dies hat für uns mehrere Gründe. Hier geht es ausdrücklich um Stroh in pelletierter Form (Strohpellets) und nicht um Stroh als Substrat im allgemeinen. Frisches Stroh ist ein gutes Substrat für einige Pilzsorten.

In unserer täglichen Arbeit erleben wir relativ häufig, dass Kunden Probleme mit Substraten auf Strohpelletbasis haben. Wir haben uns daher gefragt, wo die Probleme mit Strohpellets liegen und haben uns tiefgehender mit Strohpellets als Rohstoff in der Hobbyzucht beschäftigt.

Bei unserer Recherche sowie bei eigenen Tests, sind uns schnell einige Probleme aufgefallen. Zu Wahrheit gehört aber auch, dass die Pilzzucht mit Strohpellets grundsätzlich gut klappen kann.

Wir denken, dass dieser Weg schwieriger und weniger für Anfänger geeignet ist.

Die Stroh-Rohstoffqualität der Pellets ist meist schlecht und schwankt stark

Die meisten Hobby-Pilzzüchter beziehen ihre Strohpellets aus dem Heimtierbedarf. Diese Produkte werden vordergründig als saugfähiges Einstreu bei der Haustierhaltung (Kaninchen, Hamster, Pferd etc.) verwendet. Die Strohqualität scheint dabei leider nicht im Vordergrund zu stehen.

Wir mussten feststellen, dass das verwendete Stroh für diese Produkte meist nur sehr geringe Qualität aufweist und diese ebenfalls stark schwankt, selbst bei „Markenherstellern“. Teilweise sind sogar Heu-Anteile in den Pellets enthalten, die für die Pilzzucht gänzlich ungeeignet sind.

Strohpellets ziehen Wasser und neigen schnell zum schimmeln

Das Stroh, aus dem die Pellets gepresst werden, kann aufgrund der leichten Brennbarkeit nicht gut technisch getrocknet werden. Daher ist es notwendig, dass das Stroh vor dem Pelletieren auf dem Feld ausreichend trocknen konnte. Das scheint nicht immer gegeben zu sein.

Aber auch die Lagerung von Strohpellets ist entscheiden. Anders als Holzpellets, ziehen Strohpellets Feuchtigkeit aus der Luft an. Sammelt sich diese Feuchtigkeit, beginnen Strohpellets schnell zu schimmeln.

Werden diese Pellets dann im späteren Substrat nicht autoklaviert, hat der Speisepilz kaum eine Chance in das Substrat einzuwachsen und die Kontaminationen gewinnen.

Der Feuchtigkeitsgehalt im Substrat ist für Anfänger nur schwer richtig einzustellen

Ein häufiger Fehler ist, dass die Substrate aus Strohpellets viel zu nass werden. Gerade in Eimern oder Schlauchfolien fängt das Stroh dann schnell an zu gären und das Pilzmyzel stirbt ab.

Es ist nämlich garnicht so leicht, die richtige Menge an Wasser hinzuzugeben, damit sämtliche Pellets aufquellen sich aber gleichzeitig kein Wasser am Boden ansammelt. Das Ergebnis ist eine ungleichmäßige Verteilung der Feuchtigkeit im Substrat.

Auch kommt es vor, dass die Strohpellets nicht vollständig aufgequollen sind, während sich die überschüßige Feuchtigkeit bereits am Boden ansammelt.

Wird das Substrat dann nicht hitzebehandelt, führt dies dazu, dass sich vorwiegend Kontaminationen im Substrat ausbreiten und das Pilzmyzel abstirbt.

Einfaches Übergießen mit kochendem Wasser reicht als Sterilisation häufig nicht aus

Wie oben beschrieben, führt dies dazu, dass das Substrat schnell anfängt zu gären und von Bakterien schneller kolonisiert wird als durch das Pilzmyzel. Das Myzel hat dann keine Chance mehr, in das Substrat einzuwachsen und geht ein.

Kochendes Wasser kühlt beim einweichen der Pellets zu schnell ab, sodass eine ausreichend Keimreduzierung nicht stattfinden kann. Um Strohsubstrate ausreichend zu pastuerisieren, braucht es eine Temperatur von 90 °C über eine Zeit von min. einer Stunde.

Substrat aus reinen Strohpellets wird sehr schnell verdichtet

Einer der wichtigsten Faktoren für ein gutes Substrat ist die innere Struktur. Nur wenn Sauerstoff von außen bis zur Mitte ins Substrat gelangt, kann sich das Pilzmyzel auch vollständig im Substrat etablieren und wachsen. Sauerstoffarme bzw. freie Zonen führen daher unweigerlich zu einer anaeroben Gärung (Bakterien/Hefe).

Das gequollene Stroh aus den Pellets ist sehr fein und verdichtet sich daher sehr schnell. So gelangt der Sauerstoff nicht vollständig durch das komplette Substrat und es beginnt von innen heraus zu gären. Es sollten daher unbedingt auch gröbere Bestandteile in ein Substrat aus Strohpellets mit eingemischt werden.

Strohpellets liefern nur wenige Nährstoffe und führen bei kleinen Kulturansätzen zu wenig Ertrag

Für den Austernpilz ist Stroh grundsätzlich ein guter Nährboden, während dieses für andere Sorten wie den Kräuterseitling alleine bereits zu nährstoffarm ist. Andere Sorten wie der Shiitake wachsen praktisch überhaupt nicht auf reinen Strohsubstraten

Ein häufiges Problem ist, dass die Kulturgröße der Strohsubstratansätze zu klein ist. Erst ab einer Substratmenge von rund drei Kilogramm sind genug Nährstoffe für eine Ernte enthalten.

Fazit | Strohpellets in der Pilzzucht

Aus diesen Gründen können wir Strohpellets als Substrat für eigene Substratmischungen nicht empfehlen. Holzhäcksel, Sägemehl und frisches Stroh sind definitiv die bessere Alternative.

Natürlich kann die Pilzzucht mit Strohpellets dennoch funktionieren.

Denn es ist natürlich nicht unmöglich, mit Strohpellets erfolgreich Pilze zu züchten. Wir halten es nur für einen deutlich schwierigereren Weg mit mehr Rückschlägen als mit anderen Rohstoffen. Für uns überwiegen die Nachteile die Vorteile daher ganz klar.

Du möchtest dennoch Stroh für Dein Pilzzucht Substrat verwenden?

Dann empfehlen ich Dir unbedingt mit dem Austernpilz zu beginnen. Kein Myzel wächst schneller und aggressiver in das Substrat und kann sich etwaigen Kontaminationen besser erwheren.

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Ganzes Stroh

Stroh gehört mit zu den beliebtesten Substratrohstoffen in der Pilzzucht. Dies liegt auch daran, dass es vielerorts ohne Probleme und in großen Mengen zur Verfügung steht. Stroh eignet sich allerdings nicht für alle Pilzsorten gleichermaßen, da der Nährstoffgehalt relativ gering ist. Damit die Pilze ausreichend Ertrag bringen, muss der Kulturansatz groß genug sein.

Diese Stroharten sind für die Pilzzucht geeignet

Als Strohsorten eignen sich vor allem diese Sorten:

  • Weizenstroh
  • Roggenstroh
  • Haferstroh

 

Das Stroh sollte am besten in Bio-Qualität verwendet werden. Nur so ist ausgeschlossen, das noch Fungizide auf dem Stroh vorhanden sind, welche das Pilzwachstum hemmen würden. Auf konventionellem Stroh finden sich meistens noch Rückstände, welche sich negativ auf das Pilzwachstum auswirken.

Bio-Stroh kann mittlerweile sogar online bestellt werden.

Das Stroh sollte goldgelb aussehen, frisch riechen und muss trocken gelagert werden. Die Halme werden in 5 – 10 cm lange Stück geschnitten, so lassen sich Kultursäcke und Eimer gut füllen und es bleiben genügend Hohlräume für eine gute Belüftung vorhanden.

Ganzes Stroh solltest Du immer den Strohpellets als Rohstoff vorziehen. Wichtig ist, dass die Substratmenge nicht zu klein ist. Erst ab ca. 3 kg Substratnassgewicht kann eine ordentliche Ernte heranwachsen.

Pilzarten die gut auf Stroh wachsen

Reine Strohsubstrate sind sehr nährstoffarm, weshalb nur anspruchslose Sorten gut darauf wachsen und Erträge bringen.

Die beste Sorte für den Anbau auf Stroh ist der Austernpilz (Pleurotus ostreatus).

Der Rosenseitling wächst ebenfalls auf Stroh, wenn auch nicht bevorzugt.

Grundsätzlich wächst auch der Kräuterseitling auf Strohsubstraten. Auf purem Stroh bringt er aber kaum Ertrag. Das Substrat sollte unbedingt mit nährstoffreichen Supplements angereichert werden. Daher ist der Kräuterseitling nur für Fortgeschrittene und Profis geeignet.

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Kaffeesatz & Kaffeespelzen

Kaffeesatz gehört zweifelsohne zu den umstrittensten Substraten bei der Pilzzucht. Viele mögen ihn und nutzen ihn gerne für ihre Substrate, während andere einen Bogen um ihn machen.

Warum polarisiert Kaffeesatz als Substrat so stark?

Das hat mehrere Gründe. Die Pilzzucht auf Kaffeesatz ist ein Trend aus den USA, wo dieser als Rohstoff für die Pilzzucht bereits erfolgreich eingesetzt wird. Dieser Trend ist auch in Deutschland nicht mehr neu und so steigt auch hierzulande das Bewusststein, Kaffesatz als Substrat fürs Pilze züchten zu benutzen.

Dabei bietet Kaffeesatz einige Vorteile:

  • Er ist relativ einfach verfügbar und fällt fast in jedem Haushalt an
  • Kaffeesatz zu benutzen ist echtes recycling bzw. sogar upcycling und schont die Umwelt
  • Er enthält verglichen mit anderen Rohstoffen wie Stroh und Holz, relativ viele Nährstoffe
  • Frisch aufgebrüht ist der Kaffeesatz häufig schon gut sterilisiert

Allerdings hat Kaffeesatz als Substratrohstoff auch einige Nachteile:

  • Frisch aufgebrüht lässt sich Kaffeesatz nicht gut lagern, da er schnell anfängt zu schimmeln
  • Bei der unsterilen Pilzzucht sollte Kaffeesatz nur in geringen Mengen eingesetzt werden, damit die Schimmelanfälligkeit nicht steigt
  • Kaffeesatz ist meistens sehr fein und bildet damit leicht ein sehr kompaktes Substrat
  • Hinzu kommt, dass der Kaffeesatz je nach Brühmethode häufig zu feucht oder trocken ist

Fazit | Kaffeesatz im Substrat

Kaffeesatz ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite ist er nährstoffreich und kann als Supplement ein Substrat aufwerten und die Ernte erhöhen. Auf der anderen Seite sollte er gerade bei unsterilen Pilzsubstraten nur in geringen Mengen eingesetzt werden, da er leicht schimmelt.

Hat man den Dreh mit Kaffeesatz im Substrat aber einmal heraus, ist es ein toller Substratzuschlag und steigert den Ertrag.

Wenn Du mehr über Kaffeesatz erfahren möchtest, dann findest Du hier unsere Anleitung zum herstellen einer Pilzbrut auf Kaffeesatz.

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Übersicht | Zuschlagstoffe (Supplements) für Pilzsubstrate

Zuschlagstoffe (Engl. Supplements) spielen in der professionellen und bei sterilen Pilzzucht Substraten eine große Rolle.

Sie dienen grundsätzlich dazu, nährstoffarme Grundrohstoffe wie z.B. Holz oder Stroh, mit Nährstoffen anzureichern, um dern Ertrag eines Substrats zu erhöhen oder ein gewissen Wachstumsmileu aufrecht zu erhalten.

Da sich durch die Zugabe von mehr Nährstoffen meistens aber auch die Kontaminationsanfälligkeit erhöht, ist die Supplementierung vorrangig für fortgeschrittene Pilzzüchter mit einer sterilen Arbeitsweise empfehlenswert.

Was sind eigentlich Zuschlagstoffe (Supplements) in einem Pilzsubstrat?

Wenn Kaffeesatz in der Pilzzucht bereits umstritten ist, sind Supplements dies erst recht. In vielen Substratrezepten sind sie enthalten und werden häufig beigemischt. Gerade Anfänger wissen aber meist nicht genau, wozu sie überhaupt da sind und was die Konsequenzen ihrer Präsenz sein können.

Also werden diese Zutaten als „Wundermittel“ einfach in eigene Substratmischungen übernommen.

Wir möchten Dir hier zeigen, wozu Suplements eigentlich im Substrat sind und ob Du sie wirklich für Deine Pilzzucht brauchst.

Zuschlagstoffe (Engl. Supplements) werden immer dann einem Substrat hinzugegeben, wenn der Ertrag bzw. der Nährstoffgehalt erhöht werden soll. Supplements sind also im wahrsten Sinne des Wortes Nahrungsergänzungsmittel für das Pilzmyzel im Substrat.

Ein Substrat zu supplementieren kann also Sinn machen, wenn die Basis-Rohstoffe an sich zu nährstoffarm sind oder die Pilzart spezielle Bedürfnisse und Vorlieben hat.

Die gebräuchlichsten Zusätze sind dabei Gips, Kalk, Kleie, Kaffeesatz, Spelzen, Hefeextrakt, Sojabohnenhülsen, Zucker oder Dextrose.

Braucht man als Anfänger Supplements?

Grundsätzlich nein. Als Anfänger ist es wichtiger überhaupt ersteinmal einen Pilz zum wachsen zu bekommen, als ein „perfektes“ Substrat mit maximiertem Ertrag zu kreieren. Die Umgebungsbedingungen bei der Fruchtung (Luftfeuchtigkeit/Temperatur/Frischluft) haben bei Anfängern einen deutlich größeren Einfluss auf den Ertrag als diverse Zuschlagstoffe. Erst wenn die Pilze zuverlässig fruchten, solltest Du Dich näher mit supplementierten Substraten auseinandersetzen.

Denn Supplements erhöhen in den meisten Fällen enorm das Kontaminationsrisiko!

Es ist also wahrscheinlicher das Dir ein supplementiertes Substrat verschimmelt, als das Dir als Anfänger bei den Ersten Versuchen der größtmögliche Pilze-Ertrag heranwächst.

Warum das so ist, erklären wir hier.

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Gips (Calciumsulfat)

Gips und Kalk sind wohl die häufigsten Zuschlagstoffe (Supplements) in der Pilzzucht. Doch kaum einer weiß wirklich, wozu diese Stoffe im Substrat eigentlich gut sind.

Beides wird praktisch austauschbar in einer Körnerbrut verwendet und häufig auch einfach direkt in das Substrat gemischt nach dem Motto: „Schaden wirds schon nicht“.

Gips (chemisch Calciumsulfat: Ca[SO4]·2H2O) wird vorrangig als neutraler pH-Wert Puffer (pH 6 – 7) bei sauren Substratrohstoffen oder bei Pilzarten, die das Substrat beim Durchwachsen ansäuern, eingesetzt.

In den Bereich Mythos und Glauben gehört hingegen, dass sich eine Getreidebrut mit Gips leichter vereinzeln lässt. Wir sind davon nicht überzeugt und konnten dies in Experimenten für uns nicht nennenswert feststellen. Es bleibt wohl eine Glaubensfrage, ob Gips in eine Körnerbrut gehört oder nicht.

Als Nährstoff spielen Calcium und Schwefel (Sulfat) kaum eine wesentliche Rolle, diese Elemente sind eig. in jedem Substrat ausreichend vorhanden.

Wichtiger hingegen ist, das meistens einfach Gips aus dem Baumarkt verwendet wird. Dies ist unserer Meinung nach sehr bedenklich, denn es gibt ganz unterschiedliche Gipse, Mischungen und Qualitäten, welche jede Menge an schädlichen Inhaltsstoffen wie z.B. Schwermetalle enthalten können.

Was zum eingipsen einer Steckdose in der Wand oder für die Stuck-Zierleiste gedacht ist, sollte nicht zwingend in einem Pilzsubstrat landen. Wir wollen die Pilze schließlich am Ende essen.

Fazit | Gips im Substrat

Gips gehört für uns in kein Substrat und auch nicht in die Körnerbrut. Wir sehen keinen Vorteil von Gips, der die Nachteile (teils bedenkliche Zusammensetzung) überwiegt.

Für saure Substrate oder ansäuernde Pilzsorten gibt es bessere Methoden, den pH-Wert zu puffern.

Die meisten Substrate sind ohnehin weder sauer, noch säuern die meisten Zuchtpilze das Substrat überhaupt signifikant an.

Kalk (Calciumcarbonat)

Neben Gips, wird Kalk ebenfalls häufig in Körnerbrut oder Substrate eingemischt. Beide Substanzen werden dabei austauschbar verwendet.

Kalk (chemisch Calciumcarbonat: CaCO3) wird ebenfalls als pH-Wert-Puffer im neutralen Bereich (pH 6 – 8) eingesetzt und dient dazu, eine Versauerung des Substrats zu verhindern.

Als Calciumhydrogencarbonat, ist Kalk meist bereits im Leitungswasser ausreichend vorhanden.

Kalk ist als Calciumcarbonat ebenfalls als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen und enthält dadurch praktisch keine nennenswerten Verunreinigungen.

Fazit | Kalk im Substrat

Sofern es notwendig ist, den pH-Wert im Substrat zu Puffern oder eine Ansäuerung durch das wachsende Pilzmyzel zu verhindern, sollte dabei auf Kalk (Calciumcarbonat) und nicht auf Gips zurückgegriffen werden.

Kalk gibt es in reiner Form auch als Lebensmittelzusatzstoff. Meist reicht aber bereits der gelöste Kalk im Leitungswasser für eine Stabilisierung des pH-Wertes völlig aus.

Die Verwendung von Kalk ist daher in den allermeisten Substraten nicht notwendig. Weniger ist mehr!

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Kleie (Weizen, Roggen, Hafer, Gerste)

Kleie ist ein Nebenprodukt bei der Mehlherstellung und besteht aus der äußeren Getreidkornhülle und dem Keimling. Die  genauen Inhaltsstoffe der Kleie unterscheiden sich dabei je nach Getreideart. In der Pilzzucht wird hauptsächlich Weizen und Roggenkleie verwendet.

Kleie enthält einen hohen Gehalt an Protein (8 – 20 %), Stärke (10 – 20 %) und in geringeren Mengen Fett (4 – 10 %).

Verglichen mit reinen Holz- oder Strohsubstraten ist Kleie damit eine wahre Nährstofbombe.

Gerade der hohe Anteil an Protein in der Kleie dient dazu, relativ nährstoffarme Substrate (Holz/Stroh) aufzuwerten.

Die meisten Pilze profitieren von einer Kleiezugabe zum Substrat in Höhe von 5 – 15 %.

Wichtig beim Einsatz von Kleie ist, dass durch die große Menge an Nährstoffen, die Kontaminationsanfälligkeit der Substrate stark steigt!

Mit Kleie aufgwertete (supplementierte) Substrate müssen mit Wasserdampf sterilisiert und am besten autoklaviert, sowie unter sterilen Bedingungen inokuliert werden.

Fazit | Kleie als Rohstoff im Pilzzucht Substrat

Kleie ist ein hervorragender Zuschlagstoff für Pilzsubstrate, um den Ertrag zu maximieren und das letzte bisschen Ernte herauszukitzeln.

Aufgrund der Kontaminationsanfälligkeit ist Kleie aber nur für fortgeschrittene Pilzzüchter zu empfehlen und sollte nur unter sterilen Bedingungen verwendet werden.

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Sojabohnenhülsen (Soybean Hulls, Masters Mix)

Sojabohnenhülsen (Engl. Soybean Hulls) werden vorrangig in Amerika als Zuschlagstoff eingesetzt.

Dabei handelt es sich um die äußere Hülle der Sojabohne, welche beim Ernten und pressen der Bohnen als Nebenprodukt abfällt.

Ähnlich wie Kleie, enthalten die Sojahülsen einen hohen Anteil an Protein (12 %), geringe Mengen an Stärke (6 %) und Fett (2 %).

Damit sind sie zwar nicht ganz so nährstoffreich wie Kleie, enthalten aber immer noch ausreichend Nährstoffe um ein Substrat aufzuwerten.

Als Bestandteil des in Amerika beliebten „Masters Mix“ haben Sojahülsen auch hierzulande einige Fans.

Fazit | Sojahülsen als Rohstoff im Pilzzucht Substrat

Grundsätzlich sind auch Sojabohnenhülsen für die Supplementierung eines Substrats mit Nährstoffen geeignet.

Da Soja in Deutschland, anders als in Amerika, jedoch kaum angebaut wird, ist es nicht leicht an antsprechende Produkte zu kommen.

Aufgrund der schwierigen Beschaffung und der negativen Auswirkungen der Sojaproduktion auf das Klima, raten wir von einer Verwendung ab.

Kleie steht als Nebenprodukt hierzulande ausreichend zur Verfügung und sollte Soja vorgezogen werden.

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Was macht ein gutes Substrat für die Pilzzucht aus?

Es gibt ganz unterschiedliche Herangehensweisen, ein eigenes Rezept zu entwickeln. Wir sind Fans davon, die Substrate so simpel wie möglich zu halten, um Kontaminationen bestmöglich auszuschließen.
Dennoch möchten wir natürlich eine gute Ernte erzielen. Wie uns dies gelingt, verraten wir hier.

#1 Ein gutes Pilzsubstrat braucht eine luftige Struktur

Ein Pilzsubstrat sollte eine gewisse Struktur aufweisen, damit sich dieses im Beutel/Eimer nicht verdichtet. Am besten gelingt dies mit einer Mischung unterschiedlicher Körnungen. So gelangt der Sauerstoff durch das ganze Substrat zum wachsenden Pilzmyzel. Je feiner die einzelnen Grundstoffe sind, desto mehr neigen sie dazu, sich stark zu verdichten und es entstehen leicht sauerstoffreie Zonen im Substrat.

Das Ergebnis ist dann meist eine bakterielle Kontamination und eine anaerobe Gärung, die das Pilzmyzel am wachsen hindert oder sogar abtötet.

Reine Sägespahn-Substrate funktionieren aber natürlich auch, brauchen aber unbedingt Erfahrung bei der Abfüllung und meist eine sterile Arbeitsweise.

Daher sind diese für Anfänger weniger gut geeignet. Wir empfehlen immer feine und gröbere Bestandteile im Substrat zu mischen.

#2 Die Feuchtigkeit im Substrat ist entscheidend

Ist das Substrat zu feucht, kann der Pilz nicht richtig hindurchwachsen und das Risiko für eine Kontamination steigt. Ist es zu trocken, wächst das Myzel ebenfalls nicht gut und der Ertrag sinkt. Die richtige Feuchtigkeit ist daher entscheidend.

Das Substrat sollte eine Feuchtigkeit zwischen 50 – 60 % aufweisen. Dies ist natürlich nur ein grober Richtwert und unterscheidet sich für jeden Rohstoff etwas. Wie Du die Feuchtigkeit leicht einstellen kannst, findest Du weiter unten in den Tipps.

#3 Weniger ist mehr (gerade am Anfang)

Wenn über Substratrezepte diskutiert wird, lesen wir häufig lange Listen mit einzelnen Rohstoffen, vielen Supplements und mehr. Gerade Anfänger lassen sich von diesen „Profi-Rezepten“ häufig verunsichern und denken, ein Pilzsubstrat ist nur gut, wenn es möglichst komplex und aus so vielen Bestandteilen wie nur möglich besteht.

Wir teilen diese Meinung nicht! Unserer Meinung nach ist ein gutes Substrat immer so simpel wie möglich.

Für die meisten Pilze ist ein Substrat bestehend aus zwei Körnungen Laubholzhäckseln und Leitungswasser völlig ausreichend.

Und was ist mit Gips, Kleie, Sojahülsen, Getreide und dem berühmten Masters Mix Substrat?

Wenn Du Anfänger bist: Dann empfehlen wir Dir diese Bestandteile vorerst außen vor zu lassen undzwar aus einem ganz einfachen Grund: Je mehr Bestandteile Dein Substrat hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es durch eine unsaubere Arbeitsweise kontaminiert. Kleie und Getreide erhöhen das Kontaminationsrisiko enorm.

Deine Aufgaben am Anfang ist es, überhaupt ersteinmal Pilze zum wachsen zu bekommen. Dabei ist es aus unserer Sicht nicht hilfreich, wenn das Substrat kontaminationsanfälliger als nötig ist. Wenn Du langsam Erfahrung in der Pilzzucht aufbaust und die Pilze zuverlässig wachsen, dann ist der richtige Zeitpunkt, um über komplexere Substrate, eine Ertragssteigerung und eine Supplementation nachzudenken.

#4 Das Substrat muss zum Kulturgefäß (Eimer, Beutel etc.) passen

Das beste Substrat nützt nichts, wenn es in das falsche Kulturgefäß gefüllt wird. Die in der Hobby-Pilzzucht gebräuchlichsten Behälter sind große 5 – 10 L Eimer, Plastikkisten, Gefrierbeutel, Gläser und Schlauchfolien.

Der wichtigste Faktor ist, dass genügend Frischluft/Sauerstoff auch in die Mitte des Substrats gelangt.

Schlauchfolien und Gefrierbeutel bestehen meistens aus Polyethylen (PE) Folie. Dadurch lassen sie sich nicht sterilisieren, da das Material bei Temperaturen über 90 °C schmilzt.

Daher lässt sich mit solchen Folien nur unsteril arbeiten. Substrate auf Pelletbasis sind deshalb weniger gut geeignet. Bei Schlauchfolien ab 50 cm Länge wird ein Substrat aus Pellets durch das Eigengewicht bereits so stark verdichtet, dass die Belüftung schwierig ist und nur sehr erfahrenen Züchtern wirklich gelingt.

Plastikkisten sind toll, da sie häufig wiederverwendet werden können. Da diese durch ihre Größe nicht mit dem Substrat sterilisiert werden können, sollte hier auf kontaminationsarme Substrate und schnellwachsende Sorten wie der Austernpilz zurückgegriffen werden.

Geeignet sind z.B. Substrate auf Holzbasis, da diese meist weniger Kontaminationsanfällig sind.

Das perfekte Pilzzucht Substrat herstellen - Pilzsubstrat Rezepte, Tipps & Tricks 10

Typische Wasseraufnahme von diversen Substratrohstoffen

Jeder Rohstoff hat unterschiedliche Eigenschaften und nimmt unterschiedliche Mengen Wasser auf. Bei den folgenden Werten handelt es sich um grobe Richtwerte, die sich je nach Produkt und Charge unterscheiden können. Es handelt sich um die prozentuale Wasseraufnahme basierend auf dem Trockengewicht.

  • Holzhäcksel: 70 – 100 %
  • Getreide: 100 – 150 %
  • Strohpellets: 300 – 350 %
  • Holzpellets: 300 – 450 %

 

Beispiel: 100 g Holzhäcksel nehmen ca. 70 – 100 g Wasser auf. 1 Liter Wasser entspricht bei Zimmertemperatur ziehmlich genau 1 kg.

Wer es ganz genau wissen möchte: 1 L Wasser wiegt bei 20 °C 998,20 g.

Mit diesen Richtwerten kannst Du die Werte für Deine Rohstoffe selbst ermitteln. Prüfe die Feuchtigkeit einfach wie unten im Tipp beschrieben. Damit lässt sich leicht die ideale Feuchtigkeit im Pilzsubstrat ermitteln.

Tipp | Die ideale Feuchtigkeit im Substrat einstellen

Wie oben bereits beschrieben, darf ein Substrat für die Pilzzucht nicht zu nass aber auch nicht zu trocken sein. Die ideale Feuchtigkeit liegt bei ca. 50 – 60 %.

Dieser theoretische Wert lässt sich in der Praxis aber nur schwer richtig ermitteln. Wie viel Wasser zu einem „trockenen“ Substrat hinzugegeben werden muss, hängt nämlich maßgeblich davon ab, wie viel Wasser das Substrat aufnehmen kann und wie hoch die Restfeuchte in diesem ist.

Du kannst Dir aber mit dieser einfachen Faustregel behelfen:

  • Misch das Substrat an und lass es das Wasser vollständig aufnehmen
  • Entnimm mit einem Löffel etwas Substrat in die Hand und press es so stark es geht aus.
  • Lassen sich nur einige wenige Tropfen Wasser herauspressen, ist die Feuchtigkeit gut eingestellt.
  • Entsteht ein ganzes Rinnsal, ist das Substrat zu nass und sollte mit trockenem Material vermischt werden.

Wichtig: Entnimm das Substrat aus Deiner Mischung mit einem Löffel und wirf es nach dem Auspressen nicht wieder zurück in Deine Substratmischung, sondern entsorge es. Andernfalls bringst Du eine enorme Menge Kontamination auf Dein Substrat!

Die meisten werden im Anschluss die Substrate noch mit Hitze/Wasserdampf behandelt, um enthaltende Keime zu reduzieren.

Beim Autoklavieren wird dem Substrat dabei häufig noch etwas Wasser entzogen. Dies sollte man beachten. Letztlich muss man so lange testen, bis man die optimale Feuchtigkeit erreicht hat.

Das perfekte Pilzzucht Substrat herstellen - Pilzsubstrat Rezepte, Tipps & Tricks 11

Rezepte | Pilzzucht Substrate auf Holzbasis

Kommen wir nun vermutlich zu dem spannendsten Thema, unseren Pilzzucht Substrat Rezepten. Wir sind Fans von möglichst simplen Substraten, ohne viele Zutaten oder Schnick-Schnack.

Je weniger Zutaten enthalten sind, desto leichter lassen sich Ergebnisse replizieren. Auch braucht es weniger Platz zur Lagerung der Rohstoffe und die Wahrscheinlichkeit einer Kontamination bzw. dem Eintrag von Kontaminationen sinkt.

Das PilzWald Allround-Substrat aus Laubholz

Dieses Substrat ist geeignet für:

  • Austernpilze
  • Shiitake
  • Kräuterseitlinge
  • Igelstachelbart

Unser Standard-Allround-Rezept auf Holzbasis besteht aus:

Damit legen wir meistens einen Substratblock mit einem Gewicht von 2,8 – 3,2 kg in einem 3T Unicorn Mikrofilterbeutel an.

Dazu werden die beiden Körnungen gemischt, mit der entsprechenden Menge Wasser versetzt (siehe den Tipp weiter oben) und für 60 Minuten bei 121 °C autoklaviert.

Das Substrat kühlt dann über Nacht auf Raumtemperatur (max. 30 °C Kerntemperatur) ab, bevor es beimpft wird.

Wichtig: Das Substrat darf im Kern max. 30 °C warm sein. Wenn sich das Substrat außen kühl anfühlt, kann die Kerntemperatur dennoch zu hoch liegen. Gerade Holzsubstrate speichern die Wärme im Kerne sehr lange.

Anschließend wird das Substrat mit ca. 20 % Getreidebrut geimpft und im verschweißten Beutel durch hin und her schütteln durchgemischt.

Der relativ hohe Anteil an Getreidebrut hat mehrere Gründe:

  • Das Substrat durchwächst sehr schnell
  • Die Getreidebrut dient gleichzeitig dazu, dass Substrat zu supplementieren, ohne das die Kontaminationsanfälligkeit steigt.
  • Zuschlagstoffe wie Kleie etc. sind dann nicht mehr nötig und trotzdem gibt es einen hohen Ertrag.

Das wars, einfach oder? Pilzzucht Substrat herstellen muss nicht schwierig sein, denn mehr braucht es nicht für ein gutes Substrat.

Das perfekte Pilzzucht Substrat herstellen - Pilzsubstrat Rezepte, Tipps & Tricks 12

Ich hoffe, Dir hat dieses Tutorial gefallen.Wie eingangs erwähnt, ist auch dieses Tutorial nicht der Weisheit letzter Schluss. Hinterlass uns gerne einen Kommentar!

Du hast ein tolles Substratrezept? Dann schreib uns dies doch in die Kommentare, wir freuen uns immer über neue Rezepte und Denkanstöße!

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6 Antworten

  1. Hi Alex,

    danke für die tolle Expertise. Ich habe gerade einen Plastikeimer voller Substrat vorbereitet (eine Mischung aus Holzhäckseln, Stroh und Weizen). Nun frage ich mich, ob ich die Pilzbrut (eine 4kg-Tüte voller bestens weiß durchwachsener Körner) einfach in der Mitte des Eimers versenken soll, der unten und an der Seite schön viele Löcher und einen Deckel obendrauf hat. Oder soll ich sie eher gleichmäßig im Eimer verteilen?

    Wie wird es den restlichen Eimer besser und schneller durchwachsen?

    Was meinst Du?

    Danke im Voraus für die Antwort!

    1. Hallo Anita,

      vielen Dank für Dein Feedback! 😀

      Die Pilzbrut sollte definitiv gleichmäßig untergemischt werden. Jedes myzelumhüllte Korn der Körnerbrut ist ein sog. Inokulationspunkt, aus dem sich das Myzel entwickeln kann. Je mehr Stellen gleichzeit durch das Myzel durchwachsen werden, desto schneller ist das Substrat besiedelt.

      Je schneller das Substrat mit Myzel besiedelt ist, desto weniger Chance haben es Kontaminationen Fuß zu fassen.

      Gerade wenn Du Getreide mit in das Substrat einmischst, sollte das Substrat möglichst schnell durchwachsen sein. Impfst Du das Substrat unter sterilen Bedingungen und ist das Substrat sterilisiert worden?

      Andernfalls solltest Du so viel Körnerbrut wie möglich verwenden und ggfs. das Getreide weglassen. Getreide ist sehr kontaminationsanfällig und führt in unsterilen Substratmischungen häufig zu Problemen.

      Gerne beantworten wir Dir weitere Fragen.

      Viele Grüße,
      Alex

  2. Hallo,
    ich habe ein paar Fragen. Die Tutorials sind sehr gut geschrieben und ich werde hoffentlich in den nächsten Monaten mir Dübel bestellen und eine Pilzbrut starten und schauen ob ich auf Stroh versuche oder ein Pilzbeet anlege, mit Kaffeebrut.
    Stellt man Getreidebrut so wie die Brut auf Kaffee her? Und kann man aus Brut selbst auch wieder Dübel bewachsen lassen?
    Kann man in einem Blumentopf unter Tomaten auch versuchen mit Pilz bewachsen zu lassen?
    lg Rike

    1. Hallo Rike,
      vielen Dank für Dein Feedback!

      Nein, eine Getreidebrut lässt sich so nicht herstellen. Für Körnerbrut musst Du unbedingt steril arbeiten und das Getreide vorher sterilisieren. Dübel sind zum animpfen einer sterilen Getreidebrut nicht geeignet.
      Mit Dübeln lässt sich eine Substratbrut herstellen und die Myzelmenge vermehren, um damit ein Endsubstrat im Garten anzuimpfen. Diese ist nicht dazu geeignet, wieder Dübel bewachsen zu lassen.

      Vermutlich wird ein Blumentopf zu klein sein, um sowohl dem Pilz, wie auch der Tomate genügend Substrat zu bieten.

      Viele Grüße,
      Alex

      1. Hallo Alex,
        Danke für die Antwort, danke für das aufschlüsseln zwischen Körner- und Substratbrut. Das sterile arbeiten mit all seinen Geräten werde ich wohl eher nicht. Ich mache das gerne in der Laborarbeit im Studium, aber zu Hause ist das mit dem Equipment schwierig. 😉
        Okay die Blumentöpfe die ich meine sind schon größere, wir haben 2 Unterm Balkon windgeschuützt stehen, letztes Jahr haben wir in jedem 2 Tomaten angebaut (selbstgezogen), die Fläche unter dem Balkon war dann voller Tomaten. Ab und an gedüngt mit Bio Gemüsedünger und zu Beginn mit Pferdemist vor Pflanzung gedüngt. (ein Topf hat ca 80L), haben aber auch noch andere größere mit Minzen und ein Hochbeet mit Zierpflanzen.
        Ich habe heute mir Dübel bestellt und werde mich an einer Substratbrut und Strohbeimpfen testen. Falls ich die Sustratbrut danach weiter zu vermehren schaffe werde ich dann nochmal mit den Töpfen experimentieren.
        Werde dann mal Bilder meines Erfolgs oder Misserfolgs schicken. Vielen Dank für die guten Anleitungen.

        lg Rike

        1. Hallo Rike,
          vielen Dank!

          Klar, das sterile Arbeiten zuhause ist natürlich aufwändig und benötigt etwas Equipment aber auch Know-How. Wir arbeiten aktuell daran, einen Überblick über die sterile Pilzzucht zu schreiben und auch das notwendige Equipment vorzustellen. Es braucht nicht immer High-End-Equipment wie HEPA etc., wenn man weiß wie es geht 😀

          Okay, das sind schon richtige Kübel. Wichtig ist, es sollten mindestens 3 kg Substrat (feucht) für den Pilz zur Verfügung stehen, damit eine Ernte heranwachsen kann. Je mehr Substrat, desto besser ist es bzw. desto mehr Ertrag ist möglich.

          Genau, sobald die DiY-Pilzbrut vom Myzel durchwachsen ist, kannst Du den Ansatz auch auf mehrere Gläser aufteilen und parallel mehrere Gläser weiterfüttern.

          Wir freuen uns auf Deine Fotos!

          Viele Grüße,
          Alex

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